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#04 Ernährung und Gruppenzwang

wo ist denn da der zusammenhang?

"Essen verbindet!"

Diesen Satz hast du sicher auch schon gehört. Ohne es wirklich zu wissen, würde ich sagen dass der Ursprung dieses Gefühls der Verbundenheit beim bzw. durch das gemeinsame Essen zum einen sicherlich daher kommt, dass wir alle als Babys zunächst darauf angewiesen sind, gefüttert zu werden. In den meisten Fällen wird die Mutter stillen oder aber die Flasche geben. Fakt ist aber, dass wir ja schon als Babys die Erfahrung machen, dass während der Nahrungsaufnahme gekuschelt wird. Zuwendung gegeben wird, die Bindung gestärkt wird, das Urvertrauen gestärkt wird mit der Botschaft: "Ich bin da, ich kümmere mich, ich gebe dir zu essen!". Das setzt Glücksgefühle beim Kind frei, die es natürlich durch die Nahrungsaufnahme aber auch und sicherlich in diesem Alter noch mehr dadurch verspürt, dass die Mutter oder der Vater sich gerade sehr intensiv kümmern.

 

Zum anderen war es vermutlich in der Steinzeit, und da kommen ja die meisten unserer Urinstinkte und damit viele unerklärliche Automatismen in unserem Denken und Handeln her, dass teils auch eine gewisse Abhängigkeit von anderen herrschte bzw. ein Verantwortungsgefühl. Es gab ganz sicher die, die darauf angewiesen waren, zeitweise oder dauerhaft von anderen mit Nahrung mitversorgt zu werden. Auch hier hat man Nahrung geteilt und das erfolgte auch damals sicher aus einem Wunsch des "Kümmerns", aus einem Zugehörigkeitsgefühl, Zuneigung und schlicht Arterhaltung! 

 

Die meisten haben ganz sicher auch die Erfahrung gemacht, dass die Familie, Freunde, Kollegen etc. sich zum Essen zusammenfinden. Da hat jeder andere Werte aber meistens ist es doch so, dass mit dem Essen gewartet wird, bis alle da sind zum Beispiel. Vielleicht bedeutet das auch Vertrauen im Sinne von "Wir teilen, wir geben dir etwas ab und weil wir dich lieben stellen wir sicher, dass du auch etwas von dem Essen abbekommst!".

 

Man sagt ja nicht umsonst auch "Liebe geht durch den Magen!". 

 

Dieses Zusammenkommen führt dann noch dazu, dass man sich austauscht. Informationen über den Tag, Gedanken, Gefühle, Ereignisse... Das Individuum hat Gelegenheit sich mitzuteilen und damit wiederum Verbundenheit zu erfahren, wenn andere zuhören und reagieren, Anteil nehmen am eigenen Leben. Wer zum Beispiel auf Social Media jeden Furz teilen muss, der hat eventuell zu wenige Menschen, die ihm zuhören. Ich persönlich denke, dass wir Menschen das auf eine Art brauchen, um uns wichtig, beachtet und geliebt zu fühlen. Und auch diese Gefühle haben viele gelernt, mit gemeinsamem Essen zu verbinden. Was sagt das eigentlich über Foodblogger aus ;-) 

 

Man lernt aus der Beobachtung seines Umfeldes, was "gesund" ist, was einem gut tun sollte, wie viel die Menschen im eigenen Umfeld von was essen und teils fallen Sätze wie "Iss deinen Teller leer!" - womit das natürliche Sättigungsgefühl schon gleich ruiniert wird zugunsten der Unlustvermeidung - wir wollen gefallen und spüren, dass wir das nur können, wenn wir den Teller leeren. Großartig.

 

Den Teller leer zu essen hat evolutionstechnisch weiter zurück wohl auch ganz andere, rein existentielle Gründe gehabt. Einfach weil man vielleicht nicht wusste, wann es das nächste Mal etwas gibt.

 

Man wächst einfach auf mit diesen Prägungen, da Essen diesen Stellenwert in unserer Kultur hat. Schaut man sich andere Kulturen an, sieht man, dass Essen da teils noch viel gesellschaftlicher zelebriert wird als hier. Dieses Verbundenheitsgefühl lernen die meisten also ganz automatisch, wenn nicht zu Hause dann mindestens durch äußere Einflüsse. 

 

Heutzutage kann in der Regel jeder selbst in den Supermarkt gehen oder das Telefon in die Hand nehmen um etwas zu bestellen. Die kindliche Prägung ist allerdings nach wie vor präsent. Kein Wunder also, dass wir essen heute noch mit Zuneigung und Gemeinschaft verbinden, und aus genau dieser Prägung sogar Essstörungen wie zum Beispiel das Essen aus Einsamkeit zum Empfinden eines Glücksgefühls entstehen können. Da gibt es natürlich viele Ursachen für, nicht nur Einsamkeit, aber in diesem Kontext sei das beispielhaft herangezogen. 

 

Zudem kommt der Aspekt der Ökonomie und Nachhaltigkeit zum Tragen, da man durch das gemeinsam essen teils sowohl Kosten sparen als auch nachhaltiger leben kann. 

 

So gesehen ist es absolut nachvollziehbar, dass gemeinsames Essen Vertrauen und Zuneigung schaffen kann. Weshalb wir gerne mit unserer Familie, unserem Partner oder aber auch Kollegen oder (zukünftigen) Geschäftspartnern essen gehen. Oder warum es vielleicht "damals" ein Vertrauensbeweis war, aus dem selben Glas zu trinken oder vom selben Teller zu speisen ("Das Essen ist genießbar, ich vergifte dich nicht, ich bin vertrauenswürdig!").

 

Das ist der genussvolle und verbindende Teil des gemeinsamen Essens.

"Essen macht Einsam!"

Was, wieso denn jetzt das? Ich schätze das liegt daran, dass es eben auch darauf ankommt, dass man zeitlich ähnliche Gewohnheiten hat, annähernd das gleiche isst statt lediglich gleichzeitig, hinsichtlich der Menge nicht zu restriktiv isst (=Lustlosigkeit? Krankheitssignal? Zwanghaft?) und sich aber auch nicht überfrisst (=Maßlosigkeit? Futterneid?).

 

In der Überflussgesellschaft gibt es nicht nur Essen im Überfluss, sondern auch damit verbundene Philosophien und nicht zuletzt alle möglichen Krankheiten die entweder vielleicht daraus entstanden sind oder heutzutage einfach häufiger diagnostiziert werden. Da wo der Fokus liegt, führt uns der Weg hin. Die Gedanken kreisen durch Erzählungen und Publikationen um alle möglichen Unverträglichkeiten und ZACK, hat plötzlich gefühlt jeder eine. Mag sein. Mag aber auch sein, dass da noch andere Dinge ein Rolle spielen. 

 

Jedenfalls dürfte klar sein, dass bei der Nahrungsaufnahme irgendwo immer noch viel mehr Bedürfnisse eine Rolle spielen, als die reine Sättigung. Und manchmal ist es egal, wenn unterschiedliche Bedürfnisse befriedigt werden, weil diese Bedürfnisse nicht im Konflikt zueinander stehen oder gar nicht so sehr Außenwirkung entfalten. Aber manchmal ist es so, dass wir einfach aus der Beobachtung der Nahrungsaufnahme des Gegenübers oder dessen Wahrnehmung UNSERER Nahrungsaufnahme sehr deutlich oder nur subtil spüren, dass da gerade etwas nicht zusammenpasst im Miteinander. 

Aussagen und deren hintergründe, glaubenssätze und deren lösung

Der wohl häufigste und eigentlich alles sagende Satz, aus dem sich meiner Ansicht nach alles ableiten lässt, was hinter der Aussagen "Essen macht einsam!" stecken kann:

 

"Jetzt gönn dir doch auch mal was, du kannst es dir doch leisten!"

 

01 

Genussempfinden und Empathie

Was dahinter steckt aus Sicht der fordernden Person könnte zum Beispiel sein, dass er/ sie Essen mit Genuss verbindet und deinen Verzicht auf empathische Weise unangenehm selbst verspürt. Selbst wenn der objektive Verzicht für DICH subjektiv gar keiner ist, sondern deine Entscheidung...

> Die Auflösung könnte zum Beispiel darin bestehen, dass du der Person glaubhaft versicherst, dass du gar keinen Verzicht verspürst und stattdessen eine Befriedigung WIRKLICH in Lebensmittel XY oder Aktivität XY findest. Erklär demjenigen, dass er sich nicht für dich schlecht fühlen braucht.

> Wenn du selbst tatsächlich einen schmerzlichen Verzicht spürst, dann führe dir dein WARUM vor Augen. Warum verzichtest du? Welches Gefühl ist stärker, der Verzicht jetzt oder das Gefühl, dein Ziel nicht zu erreichen? Ist das aus deiner Sicht überhaupt Verzicht auf Genuss in dem Moment, oder wäre der Konsum des Lebensmittels tatsächlich Ausgleich für eine fehlende andere Empfindung wie zum Beispiel Zugehörigkeit? Wenn es dem Fordernden um den Genuss geht, dir aber um was ganz anderes, dann kannst du doch achtsam sagen "Ich werde das jetzt nicht essen, damit DU dich besser fühlst." (Das solltest du dir leise sagen...). Bei Penetranten Menschen kann man das auch mal laut sagen. Sie werden dir nie wieder etwas anbieten. 

 

02

Willensstärke und (In-)Konsequenz

Vielleicht steckt auch dahinter, dass derjenige sich wünscht, selbst so willensstark zu sein wie du und durch deine Konsequenz fühlt er/ sie die eigene Inkonsequenz vor Augen geführt. Klar will man nicht allein "über die Stränge schlagen", denn man hat ja gelernt, dass man sich ein bisschen dem Umfeld anpassen sollte.

> Du könntest dieser Person erklären, dass du gar nicht IMMER so konsequent bist, dass du sehr wohl ab und an oder sogar regelmäßig auch nicht isst, was eigentlich besser für dich wäre und dass du aber deshalb - zum Beispiel auf der Arbeit - gerne verzichtest damit du Abends auf der Couch deine Schokolade oder dein Glas Wein umso mehr genießen kannst.

> Du könntest auch versuchen zu erklären, wie du es schaffst so konsequent zu sein. Formuliere klar deine Absichten und Ziele. Sag "Ich werde bis in drei Monaten 5kg abnehmen wenn ich nicht immer überall nachgebe!" oder "Der Wunsch mein Ziel zu erreichen ist einfach größer als der Wunsch nach kurzfristiger Befriediung!" oder irgendetwas, was dich motiviert. 

 

03

Vergleiche und Projektion

Ein bisschen schwingt immer mit, dass derjenige sich vergleicht und zu dem Schluss kommt, dass er/ sie es sich gerne JETZT leisten würde, aber dadurch gehemmt ist, dass du in seinen/ ihren Augen die "bessere" Figur oder den "gesünderen" Lebensstil hast. Natürlich liegt auf der Hand, was derjenige jetzt scheinbar dafür tun müsste, um das auch zu erreichen. Nämlich verzichten, so wie du. 

Also auch hier wieder eine totale Projektion der eigenen Unzulänglichkeiten auf DICH und dein Verhalten, statt das eigene Verhalten einfach zu reflektieren und daraufhin eigenverantwortlich zu entscheiden. "Du kannst es dir doch leisten!" ist auch irgendwie eine immanente Frage nach dem "Wie macht sie/ er das denn bloß?! Der / die kann doch eh essen was er/ sie will, ohne zuzunehmen!" - Über Vergleiche und diese Aussage habe ich bereits im Kontext des "Intuitiven Essverhaltens" geschrieben und festgestellt, dass du NIEMALS alle Informationen haben wirst, die du brauchst, um dich sinnvoll zu vergleichen. Lass es daher einfach gleich bleiben!

> Ich liebe den Spruch "Ich kann es mir nur leisten, WEIL ich es mir NICHT ständig leiste!" oder "Ich kann mir das nur leisten, weil ich viel Sport mache, mich viel im Alltag bewege etc. aber ich fühle mich genau so wohl, wie ich bin, und ich brauche XY gerade einfach nicht!" 

Das ist auch eine kleine versteckte Kritik, aber im Grunde sagst du damit aus, dass dein gegenüber das gleiche schaffen kann und du verräts "dein Geheimnis". Das macht dich nahbar, weil du da auch eine "kleine Schwäche" eingestehst, die eigentlich kalorisch betrachtet (Friss zu viel - du nimmst zu // Friss zu wenig - du nimmst ab) überhaupt keine Schwäche sondern ein biologischer Fakt ist, aber das weiß dein offensichtlich weniger gut informiertes Gegenüber in der Regel nicht ;-)

Du könntest sogar auf eine Art Verletzlichkeit zeigen und sagen: "Ja, es fällt mir auch echt nicht immer leicht, aber ich habe einfach festgestellt, dass ich mich so in meinem Körper wohl fühle und das geht nur, wenn ich AB UND AN auch verzichte. Und weil es FÜR MICH funktioniert, mache ich das auch gerne!"

Oder du bietest deine Hilfe an. Es wirkt manchmal Wunder wenn du indirekt anbietest, ein paar Tips zu teilen oder einfach "jede weitere Konversation vernichtend" sagst: "Weißt du, jeder hat seinen eigenen Anspruch." 

Das klingt eventuell etwas arrogant, aber es ist einfach so wahr, dass eigentlich keiner mehr etwas sagen kann. 

 

04

Essen als Belohnung oder Zuneigung

Möglicherweise hat derjenige früher die Erfahrung gemacht, dass Essen "Belohnung" bedeutet und möchte dir einfach ein gutes Gefühl geben und sich selbst besser fühlen, indem ER / SIE dafür verantwortlich wird, dass DU dich durch den "Genuss" des Lebensmittels XY besser fühlst. Selbst wenn das für dich gar nicht der Fall wäre. Das nennt man dann "aufgedrängte Bereicherung" oder neudeutsch "Feeder".

Oder es ist für ihn/ sie Ausdruck von Zuneigung. Natürlich empfindet der Fordernde hier dann auch ein Stück weit Ablehnung seiner Person, wenn du das Essen ablehnst, das für ihn eine ganz andere Bedeutung hat.  

> Du kannst auch einfach mal etwas annehmen und sagen "Vielen Dank, das ist lieb von dir. Das esse ich dann später!" - und was du später damit machst bleibt dir überlassen. Ich bin kein Freund dieser Vorgehensweise, aber jeder Mensch wählt ab und an legitimerweise den Weg des geringeren Widerstandes. Problematisch, wenn du dann morgen nicht mehr EIN STÜCK Schokolade, sondern die ganze Tafel auf dem Tisch liegen hast oder gar über kurz oder lang noch mehr... Deshalb:

> Gegenüber Menschen die dir wichtig sind würde ich anders verfahren. Hier würde ich auf jeden Fall erklären, wie sehr du die Geste schätzt, dass es für dich aber einfach eine Art Druck erzeugen kann weil du das Gefühl hast, du MUSST das jetzt essen damit der Schenkende nicht traurig ist, du damit aber ganz andere Dinge verbindest und dich der Verzehr unglücklich machen würde. Biete eine Alternative an! Statt dem Kirschstreuselplunder könntest du zum Beispiel sagen "Wenn du mir eine Freude machen willst, dann bring mir doch Lebensmittel XY mit!" Und sag dazu, wie sehr du die Person magst und WARUM, nämlich in der Regel nicht, weil sie dir dieses Essen gebracht hat...

 

05

Der Gruppenzwang aus Zugehörigkeitswunsch

Indem du ablehnst, was andere in DIESER Gesellschaft essen, verhältst du dich "nicht konform". Das ist auffällig und erstmal grenzt es dich ab oder sogar aus, da wir irgendwo auch Herdentiere sind und das gemacht wird, was die meisten tun, denn das Wissen der Vielen führte zum Überleben. Ziemlich antiquiert, bis zum nächsten Massensterben...Was mich tatsächlich noch immer sehr aufbockt ist, dass das, was die Meisten sich so einverleiben als "DAS Maß" angenommen wird wie bis vor kurzem noch "DAS Kilo" , dabei entbehrt das unserer Individualität, auf die wir uns doch immer so viel einbilden und dennoch gegenseitig nicht so zugestehen. 

> Reden ist meistens der Schlüssel. Erklär doch einfach, dass du aus Interesse, Spaß, Überzeugung.... die Ernährungsform XY für dich testen oder leben willst. Und dann bietest du NICHT MISSIONARISCH vielleicht mal an, dass andere probieren dürfen (für mich HORRORVORSTELLUNG) oder du bringst einfach mal etwas mit (kriege ich eher hin, aber sehe ich meistens auch nicht ein ;-)). Du machst aber letztlich der Gesellschaft "dein" Essen zugänglich und das verbindet wiederum. Du musst ja nicht gleich alle verpflegen. Aber auch hier empfiehlt es sich manchmal, ein Stück auf die Gesellschaft zuzugehen, statt sich trotzig und ungeliebt daneben zu stellen. 

> Oft handelt es sich dabei um Zwangsgesellschaften wie den Kollegenkreis. Aber auch da ist es wichtig, Zugehörigkeit zu empfinden. Wenn du nicht KRIEGST woran es dir mangelt, dann musst du es manchmal einfach GEBEN und es kommt zu dir zurück! Was ich damit meine ist, dass du als Vorreiter in deinem Bereich nicht anders bist als all die Entdecker und Forscher, denen erstmal die ganze Welt einen Vogel nachgesagt hat. Bleib dir selbst treu. Vielleicht hat sich bisher keiner im Büro getraut, mal anders zu sein, eine andere Ernährung zu pflegen statt "Morgens Nix" und Mittags "Kantine - egal was auf dem Plan steht" und vielleicht löst du deshalb sogar eine gemeinsame "Welle der Ernährungsreform" aus auf der ihr alle zusammen surft! Weil die Görls im Büro nebenan mehr Interesse haben als sie bisher zugegeben haben (weil das meistens gleichzeitig heißt, sich zu "outen" als "Ich bin nicht zufrieden mit mir und will etwas ändern!" - Dazu braucht man LEIDER tatsächlich Mut, weil Menschen manchmal einfach ... "scheisse" sind ÄH... sich "ungünstig verhalten"!

Vielleicht sagen aber in einem Jahr alle DANKE zu dir. Danke, dass du deine Gedanken geteilt hast und alle zumindest ihren Horizont erweitert haben. Idealvorstellung, ich weiß ;-) Hat kaum jemand je gesagt...

Fakt ist: bau dein Selbstbewusstsein dahingehend auf! Steh drüber wenn die Kollegen über deinem "PupsRosenkohl" die Nasen rümpfen und Sprüche kloppen. Sie wissen es ja nicht besser bzw: DU lässt sie ja auch in Ruhe mit ihrem Essverhalten, und nur weil es alle so machen ist das lange nicht richtig und "richtig und falsch" gibt's da eh nicht :-)

wiE LASSEN SICH DIE BEIDEN aUSSAGEN VERBINDEN?

Verwechsle nicht die Bedürfnisse anderer, mit deinen eigenen!

Alle diese Beispiele haben gemeinsam, dass sie nichts mit DIR zu tun haben. Oder mit deiner Entscheidung. Es geht immer darum, die Erwartungen und Bedürfnisse ANDERER zu befriedigen. Dabei bist du in erster Linie für dich selbst da. Aus dem Fakt "Essen verbindet!" folgt, weshalb wir nicht vorgehen können wie die Axt im Walde und weshalb wir immer darauf achten WOLLEN, niemanden vor den Kopf zu stoßen. Nur weil man sich selbst teils durch eine bestimmte Ernährung bewusst abgrenzt, verspürt man ja menschlicherweise trotzdem das Bedürfnis, dazu zu gehören und anerkannt zu werden. 

 

Vielleicht bist du zu überangepasst?

Das kann so weit gehen, dass eine Ernährungsumstellung innerhalb einer bestimmten Gesellschaft nahezu unmöglich ist, da sicherlich die Gründe für die Umstellung häufig nicht gegen die Angst ankommen, aus der Gesellschaft ausgegrenzt zu werden und einsam zu sein. Was dazu führt, dass du dir eben tatsächlich immer dann "etwas gönnst", wenn JEMAND ANDERES das gerade als für dich in dem Moment notwendig und richtig erachtet. Teils ist das vielleicht auch eine willkommene Ausrede, um in alte Verhaltensweisen zurück zu kehren, weil du in deiner Ernährungsform tatsächlich selbst noch nicht so gefestigt bist und deinen Weg noch suchst. Du kannst also versuchen, deine Gesellschaft so wie oben beschrieben mitzunehmen und "abzuholen". Statt ihre Empathie und verletzten Gefühle angriffig aufzufassen, deinerseits mit Empathie begegnen und den Wind aus den Segeln nehmen. 

 

Manchmal ist es aber auch einfach schlicht so, dass du ein bisschen leidensfähig werden musst, zunächst. Im Kollegenkreis zum Beispiel ist es ja doch letztlich so, dass du ihnen nicht wichtig genug bist, um dich wegen einer Ernährung, die nicht der der Gruppe entspricht,  dauerhaft "zu verstoßen". Irgendwann wird deine Ernährung akzeptiert - oft trotzdem gewitzelt aber hey - LEIDENSFÄHIGKEIT. Insbesondere wenn du Informationen auf Nachfrage anbietest, sie aber NIEMALS aufdrängst, hast du ganz gute Karten, bald in Ruge gelassen zu werden. Keine angriffige Kritik gegenüber der Gruppe - du verlierst, egal wie recht du hast. Zumindest, wenn du in dieser Gesellschaft bleiben willst oder musst.

 

Vielleicht brauchst du aber auch eine andere Gesellschaft?

Die letzte Möglichkeit liegt auf der Hand: es kann unter Umständen notwendig sein, dein Umfeld komplett zu verändern. Das fühlt sich erstmal komisch an und raus aus der Vertrautheit und Komfortzone ist nie sofort besser. Da kann man schon mal zweifeln. Aber dein Umfeld bestimmt OFFENSICHTLICH maßgeblich, wo dein Weg hin geht. Weil du ein soziales Wesen bist und dich nicht gegen alle Erwartungen wehren KANNST. Man muss sich immer anpassen. Aber die Rahmenbedingungen können in einer anderen Gruppe einfach so sein, dass du dich gar nicht so sehr anpassen musst, weil du einfach rein passt. Und ganz schnell wirst du dich dort viel wohler fühlen. Also statt dich bis zur Unkenntlichkeit anzupassen kannst du dich auch mal umschauen, wo Menschen sind, die so sind wie du oder wie du gerne wärst. Umgib dich mit ihnen. Meistens hat man da auch erstmal Angst vor Ablehnung, aber da die meisten Menschen gerne bewundert werden oder ein Helfersyndrom haben (oder beides) wird deine Anwesenheit sicherlich toleriert und sogar geschätzt ;-)

 

 

 

Lass mir sehr gerne deine Gedanken zu dem Thema hier in den Kommentaren!