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#05 Intuitives Essverhalten

"DEr/ Die kann doch echt alles essen, ohne dick zu werden!"

Ganz ehrlich: gibt es jemanden, der noch nicht in irgendeiner Form diesen Satz gehört hat? Oder selbst gesagt hat? Oder zumindest gedacht?

 

Hier will ich mich dem einmal ausufernd widmen und hoffe, dass auch DU diesen unsinnigen Glaubenssatz für dich auflösen kannst. Denn das ist es - ein Glaubenssatz - und noch dazu einer, der die allermeisten runterzieht, weil die allermeisten sich darüber negativ gegenüber ihren Mitmenschen abgrenzen.

 

Umgekehrt lautet der Glaubenssatz nämlich

"Ich kann nicht alles essen was ich will, ohne zuzunehmen!"

Definition:

Das geht ja gut los. Vermutlich gibt es keine starre Definition davon. Im Allgemeinen versteht man wohl darunter, intuitiv zu spüren, was und wie viel davon der Körper gerade braucht, was ihm gut tut, welchen Effekt welches Lebensmittel oder Mahlzeit auf den eigenen Körper aber auch den eigenen Geist hat, sowohl kurzfristig, als auch langfristig. 

 

Im Grunde sind Menschen, die über diese Intuition verfügen jene, die man häufig etwas (oder etwas mehr) neidvoll beäugt mit dem Gedanken:

 

"Er / Sie kann einfach alles essen was er/ sie will, ohne dick zu werden!"

 

Tatsächlich ist der erste Teil der Annahme biochemisch betrachtet totaler Bullshit und der zweite Teil der Annahme evolutionstechnisch oder auch aufgrund bestimmter Glaubenssätze oder Rituale im Leben der weitaus häufigere Fall als der, dass Menschen ungewollt abnehmen oder intuitiv genau ihren Bedarf abdecken.

 

Der "bedarf"

BEDARF ist das richtige Stichwort um beide Annahmen zu erklären.

Es gibt zum einen den tatsächlichen Bedarf. 

 

Der "tatsächliche" Bedarf

ist zwar individuell, aber mathematisch in Abhängigkeit zur Körpergröße, Gewicht, Alter und einigen anderen Faktoren zu errechnen. Entsprechende Rechner findest du im www wenn du "Kalorienbedarfsrechner" in eine Suche eingibst.

Die messbare "Einheit"für den Bedarf nennt sich "Kalorien" und das Ergebnis der Rechnerei ist dein "Gesamtkalorienverbrauch". Genaueres dazu kannst du im Blogartikel "Darf ich XY essen?!" nachlesen.

 

Warum gibt es dann trotzdem individuelle Unterschiede? 

Die allgemein genutzte Berechnungsformel berücksichtigt schon viele Faktoren, aber eben nicht alle. Ich möchte die Formel vergleichen mit der zur Berechnung des BMI. Das Ergebnis ist ein Richtwert, der aber im Fall des BMI zB. keine Aussage darüber zulässt, ob jemand mehr Muskelmasse oder Fettmasse oder Wassereinlagerungen im Gewebe hat. Bezogen auf den Gesamtkalorienverbrauch ergibt sich das gleiche "Problem": 

die Formel berücksichtigt zwar, ob jemand sportlicher Aktivität nachgeht, wenn man das in die Berechnung einbezieht, sie berücksichtigt aber nicht, dass diese Person in der Regel anteilig an ihrem Gewicht mutmaßlich mehr Muskelmasse besitzt. Muskelmasse verbraucht auch im Ruhezustand mehr Kalorien als passive Fettmasse. Zusätzlich zu den WÄHREND der sportlichen Aktivität verbrauchten Kalorien wird der Bedarf bei einer sportlich aktiven Person also auch grundsätzlich höher sein, als bei einer sportlich inaktiven Person. Wie aktiv bist du sonst im Alltag? Benutzt du den Aufzug oder die Treppe? Stehst oder sitzt du eher im Büro? 

Tatsächlich spielen auch Faktoren eine Rolle, deren Ursprung genetisch bedingt ist oder vor der Geburt durch die mütterliche Ernährung geprägt wurde. 

 

 

Wir neigen außerdem dazu unserem Gehirn zu erlauben, den einfachsten Schluss aus unserer Wahrnehmung zu ziehen. Diese Denkweise hat uns seit Anbeginn unserer Existenz ermöglicht, Entscheidungen schnell genug zu treffen, um nicht vor Entscheidungsfindung den Tod zu finden. Das sind angeborene, aber auch erlernte Denkweisen. Dabei überspringen wir oft einen Schritt. Wahrnehmung - Entscheidung. Aber dazwischen liegt die BEURTEILUNG.

 

Wenn du zu den Menschen gehörst, die auch daran glauben, dass es Menschen gibt, die ALLES essen können, dann bist du einfach menschlich und überspringst den Beurteilungsdenkprozess. 

In vielen Fällen schützt dich das, in diesem Fall züchtest du einen völlig überflüssigen und zehrenden Glaubenssatz heran. 

 

Wenn du dir eine ehrliche Beurteilung erlaubst, musst du den Menschen mit dem du dich vergleichst zunächst individualisieren. Du kannst dich in diesem Punkt schlichtweg nicht mit dem Kollektiv vergleichen. Eine Verallgemeinerung führt hier lediglich zu Unzufriedenheit und abgesehen davon spricht die Existenz der mannigfaltigen Diätprogramme etc. die eindeutige Sprache, dass das Kollektiv eher NICHT intuitiv isst und eben NICHT alles essen kann, was auch seine Gründe hat. Aber eins nach dem anderen. 

 

Sobald du dir ein Vergleichsindividuum ausgesucht hast, vermutlich DER oder DIE EINE, auf den du diesen Glaubenssatz projizierst, sei einmal ehrlich zu dir selbst. Liegen dir überhaupt genügend Informationen zu dieser Person vor? Weißt du WIRKLICH, was er oder sie den ganzen Tag über zu sich nimmt? Weißt du, wieviel der-/diejenige sich bewegt? Wie viel er/sie schläft, welche Stressfaktoren auf ihn/sie wirken bzw. vielmehr NICHT wirken? Trinkverhalten (sowohl "soft" als auch "hard")? Welche genetischen Voraussetzungen noch begünstigend wirken (damit meinen wir im allgemeinen, dass derjenige einen "guten Stoffwechsel" hat, dazu aber mehr im eigenen Blogartikel (in Planung).

Du wirst beim Lesen feststellen, dass es nahezu unmöglich ist, alle Informationen zur Beurteilung zur Verfügung zu haben, die NOTWENDIG wären. So gesehen tust du am besten daran, überhaupt gar nicht erst zu vergleichen. Solltest du es trotzdem unbedingt wollen, dann sprich mit der Person. Frag sie. Entweder die Person weiß selbst nicht, wie sie das macht (was wie gesagt ironischerweise der seltenste Fall ist) oder du wirst erstaunt sein, was die Person dir so alles erzählt. Nicht selten hörte ich dann zum Beispiel Dinge wie "Naja, Morgens/ Abends esse ich meistens so gut wie nichts! / Ich lasse das Mittagessen oft ausfallen!" oder "Ich fahre jeden Morgen mit dem Fahrrad auf die Arbeit / Ich gehe jeden Morgen/ Abend vor/ nach der Arbeit ins Fitnessstudio!", "Ich achte darauf, wenig Alkohol zu trinken, generell ausreichend Wasser zu trinken!", "Ich achte auf viel Schlaf (= Regeneration) und wenig Stress!", "Ich bereite mir meistens mein Essen selbst zu und achte auf bestimmte Grundsätze!". 

 

Verstehe also zunächst, dass es einen tatsächlichen Bedarf gibt und dass der von einfach unfassbar vielen Faktoren abhängig ist, die du teils selbst durch einen aktiven Lebensstil beeinflussen kannst, teils aber auch einfach als deine biologischen Gegebenheiten hinnehmen musst. Es ist schlichtweg SINNFREI sich vergleichen zu wollen. Freu dich einfach über deine grenzenlose Individualität in diesem Bereich.


Das vorläufiges Fazit unter dieser Überschrift muss aufgrund biologischer Fakten einfach lauten, dass kein Mensch essen kann was er will ohne zuzunehmen oder im selteneren Fall abzunehmen! Iss mehr als du verbrauchst und du nimmst zu, iss weniger als du verbrauchst und du nimmst ab! Und das trifft tatsächlich auf jeden zu..... 

Der "subjektive" Bedarf

Du dachtest, das eben war komplex? Ist ja süß. Noch grenzenloser als das Zusammenspiel der körperlichen Faktoren ist das deiner Gedanken. "Bedürfnisse" entstehen aus den unterschiedlichsten Ursachen. Du baust dir in Gedanken entweder goldene Brücken oder flammende Höllenpfade. Die meisten wohl Letzteres. Wollen wir versuchen, den in Rede stehenden Glaubenssatz zur goldenen Brücke werden zu lassen. Dazu musst du erkennen welche Bedürfnisse es sind, die DICH dazu bewegen zu glauben, DU könntest nicht alles essen was du willst, ohne zuzunehmen. Im Grunde DIE Faktoren, die dein intuitives Essverhalten torpedieren. 

Im Folgenden stelle ich einige Punkte dar die mir als mögliche Ursache einfallen. Die Aufzählung ist nicht abschließend und es handelt sich nicht um eine lückenlos recherchierte Doktorarbeit. 

 

 

01. Die Crux des Überflusses

Der Satz an sich ist einfach schon Ausdruck unserer Überflussgesellschaft in zweierlei Hinsicht. Warum hört man den Satz zum Beispiel so gut wie nie mit der Endung  "… ohne abzunehmen!"? 

Es entsteht eine furchtbare Disbalance aus Neuerungen durch Autos, Aufzüge, Rolltreppen (eine ROLL-TREPPE! Hallo?!) und allen möglichen Dingen, die uns Anstrengungen im Alltag abnehmen und den Kalorienverbrauch minimieren einerseits und andererseits dem Überangebot von Möglichkeiten, unseren Kalorienkonsum zu maximieren. Ohne auch nur einen Finger dafür zu rühren. Naja, vielleicht ein Anruf beim Lieferdienst oder ein Griff ins Portemonnaie.

Und warum lassen wir diese Disbalance überhaupt zu?

Weil unser Denkprogramm noch immer ziemlich unterentwickelt ist. Unser genetisches Denken zwingt uns fast schon, für den Ernstfall "Reserven zu bilden!", "Zu essen, solang wir können und solang noch etwas da ist!". Wer als Höhlenmensch anders handelte lief einfach Gefahr, zu sterben. Man wusste doch nie, wann es das nächste Mal etwas gibt. Ob wir unsere Reserven als Klimaschutz brauchen. Überfluss war in der längsten Zeit unserer Entwicklung nicht vorhanden und ist es vielerorts bis heute nicht. Schon blöd, dass die genetische Denkweise sich nicht proportional zum Überfluss und den Lebenserleichterungen entwickelt hat. Es liegt einfach in unserer Natur, so viele Kalorien zu konsumieren wie wir kriegen können. Wenn wir also nicht zunehmen wollen, müssen wir den Überfluss als einen der größten Einflussfaktoren erkennen und dominieren. Vielleicht sogar eine Art Dankbarkeit entwickeln, dass wir keine Angst haben müssen, zu verhungern, sondern davor, zu "verfetten". Und eine Art Vertrauen, dass auch später oder morgen wieder genug Essen da sein wird. 

Eine Ursache deines Glaubens kann also sein, dass du dem Überfluss in deinem Leben unbewusst zu viel Macht über dich erlaubst. 

 

02. Genuss

Keine Frage, Essen ist eine Angelegenheit mit großem Genusspotential. Seit der gute Geschmack einem nicht mehr nur sagen muss, ob man vom GENUSS eines Lebensmittels potentiell stirbt oder nicht, kann man in Verbindung mit dem Überfluss auch einfach des Genusses wegen essen.

Je fettiger, salziger, süßer, DEFTIGER eine Mahlzeit ist, umso mehr triggert sie unsere Urinstinkte. "Genuss" entsteht im Prinzip daraus, je hochkalorischer eine Mahlzeit aufgrund des Geschmackes eingeschätzt wird. Hochkalorisch = Genuss. So ist unser Empfinden geprägt und das erklärt, weshalb wir kaum aufhören können und wollen zu essen, was hochkalorisch schmeckt. Die Lösung des Problems liegt leider oft nicht darin, das zu erkennen, sondern darin, sich tatsächlich Grenzen zu setzen. 

 

03. Status und die Gesellschaft.

Essen verbindet. Es kann also sogar je nach Status und Gesellschaft so sein, dass du das Bedürfnis entwickelst oder den Druck verspürst, bestimmte Lebensmittel oder bestimmte Mengen oder in gesellschaftlich vorgegebener Häufigkeit zu essen. Sei ehrlich zu dir und reflektiere dieses Bedürfnis oder diesen Druck wenn du es spürst. 

Wenn du hier deine wichtigste Stellschraube siehst, dann helfen dir vielleicht die Tips in meinem Blogartikel zum Thema "Auswärts Essen, Speisekartenanalyse". Oder es hilft dir, wenn du wiederkehrende Muster erkennst und entsprechend selbst eine Balance herstellst. Wenn dein Handlungsmuster häufig so aussieht, dass du Abends in Gesellschaft vielleicht Alkohol konsumierst, dich hochkalorisches Essen anmacht und du grundsätzlich auch total BOCK darauf hast, dann kann es für dich der richtige Weg sein, den Tag über eine Balance herzustellen, zum Beispiel durch intermittierendes Fasten. Vielleicht fragst du dich aber auch, aus welchen Gründen du glaubst, deinen Status oder deine Gesellschaft nur durch dein Essverhalten kontrollieren zu können. Welche Glaubenssätze stecken wiederum DA hinter?

Die Gesellschaft als Grund zum Überkonsum ist häufig eine Form der Anpassung, ein Zugehörigkeitswunsch. Wie gesagt: *Blogartikel: Ernährung und Gruppenzwang" - gemeinsam essen verbindet. Findest du vielleicht eine alternative Möglichkeit, eine Verbindung zu dieser Gesellschaft aufzubauen oder erkennst du, dass du diese Gesellschaft gar nicht wirklich willst? Oder denkst du vielleicht nur, dass die Bindung durch den gemeinsamen Genuss entsteht, tatsächlich ist es aber einfach das gesellige Beisammensein?

 

Zu Punkt 02. und 03. lies dir gerne auch den Blogartikel "Ernährung und Gruppenzwang" durch.

 

 04. Stress und Stressbewältigung

Stress ist auch wieder so eine fiese Angelegenheit. Stress ist ein Faktor, der sich auf die Cortisolbildung auswirkt. Cortisol ist ein Hormon, das maßgeblich an Stoffwechselfaktoren beteiligt ist. Das Hormon ist an sich lebensnotwendig, jedoch kann die Konzentration und Wirkung unter andauerndem Stress sich äußerst negativ auf unsere Fettverbrennung, Energiebereitstellung und unser Immunsystem auswirken. In diesem Zusammenhang kann es also zu biologisch faktisch bedingter, gestörter Nährstoffaufnahme kommen.

 

Stressbewältigung kann sich häufig zum Beispiel auch im "Überfressen" oder "häufig essen" äußern. Ursächlich dafür können tatsächliche körperliche Mangelerscheinungen sein und der Versuch des Gehirns, diesen "Mangel" zu kompensieren. Der Mangel an bestimmten Nährstoffen kann die Lust auf Süßes oder Salziges zum Beispiel tatsächlich wachsen lassen. Das Gehirn flüstert einem durch "Lust" oder "Heißhunger auf..... xy" zu, woran es dem Körper mangelt. Manchmal verwechselt man auch Hunger mit Durst! 

 

Zum Anderen ist eine gängige Stressbewältigung die Vermeidungstaktik. Sozusagen eine Art "Auszeit" die man sich gönnt, indem man isst. Essen ist ein Grundbedürfnis und das ist etwas, was sich viele trotz oder gerade WEGEN des empfundenen Stresses als manchmal einzige Auszeit erlauben. Um ein Grundbedürfnis zu befriedigen, darf man wohl mal eine Pause machen. Nimmst du dir vielleicht zu wenige Auszeiten? Schreit dein Körper eigentlich nach einer Pause und du hörst statt "PAUSE!" oder "DURST!" einfach "HUNGER!"?

 

Mangelnder Schlaf kann auch Stress bedeuten. Schläfst du ausreichend? Tatsächlich kann eine Möglichkeit sein, einfach mal deine Schlafintervalle zu verlängern.

 

 05. Ersatzbefriedigung

Deine Gedanken kreisen um Essen. Frag dich selbst ehrlich: "Kann es sein, dass ich schon wieder Hunger habe? Oder gibt es andere Bedürfnisse, die ich damit befriedigen will?"

Lustempfinden:

Du hast eine Art "Niederlage" in irgendeiner Hinsicht erlitten. Das kann alles sein. Banalitäten wie "Bus verpasst" oder "kein Abschiedskuss vom Partner" oder was auch immer. Du empfindest eine Art "Leere" und sehnst dich nach einem positiven Erlebnis und weißt auch genau, durch welches Lebensmittel dein Körper ausgleichende Endorphine ausschüttet. Auch dazu im Blogartikel "Ernährung und Gruppenzwang" mehr. Essen als Belohnung oder Ausgleich. Ein verlässlicher und bekannter Spruch ist "Schokolade macht glücklich!". Das ist so, weil du vermutlich wie die allermeisten schon im Kindesalter gelernt hast, dass sie das tut. Du hast dich selbst darauf programmiert oder wurdest von deinen Einflusspersonen darauf konditioniert. Vielleicht ist es in deinem Fall auch nicht Schokolade, sondern Gummibärchen oder Eis oder was auch immer. Selten ist es für Menschen zum Beispiel nicht die Nahrungsaufnahme, sondern sportliche Aktivität die diesen Ausgleich herbei führt oder in noch selteneren Fällen das Gegenteil von Essen, nämlich der Entzug von Essen und die totale Kontrolle (wobei hier EIN Grund für die Entwicklung von Essstörungen liegen kann!).

Fakt ist: der Genuss deines persönlichen Kryptonits setzt bei DIR Endorphine frei, und das nutzt du unbewusst oder bewusst aus. 

Dein Lösungsansatz ist: Umkonditionierung auf eine gesunde Alternative oder eine GANZ ANDERE Alternative. Statt Schokolade, belohn dich mit einem Lieblingsobst. Oder Finde eine kalorienärmere Alternative wie zuckerfreie Schokolade oder wenigstens Zartbitterschokolade. Bestenfalls entwickelst du eine Alternative die nichts mit Essen zu tun hat. Zum Beispiel kurz Durchatmen und dir bewusst sagen, dass du gerade nur einen hormonellen Ausgleich durch Endorphine brauchst, das die Ursache aber nicht in der Realität ausgleicht. 

 

Vielleicht ist das Essen als Ersatzbefriedigung aber auch eine Art Unlustvermeidung. Du müsstest eigentlich etwas ganz anderes tun, worauf du absolut keine Lust hast und aus ähnlichen Gründen wie der Befriedigung des Grundbedürfnisses vermeidest du Unlust und wählst LUST durch Essen. 

Okay, Hand auf den Magen. Was ist das, was du EIGENTLICH gerade machen solltest? Wovor drückst du dich, wenn du jetzt isst? Wenn du nicht wirklich Hunger hast, dann erledige genau JETZT das, was du eigentlich machen solltest. Du oder zumindest dein Bauchgefühl weiß ganz sicher welche Unlust du mit deinem Ersatzbefriedigungsmahl vermeidest.

 

06. Frustration, Resignation, Scham, Angst

Frustration, weil du denkst, du kannst eh machen, was du willst?

Hier überspringst du wieder die Bewertung. Nur weil du schon einmal oder mehrfach gescheitert bist ist trotzdem nicht automatisch jeder Versuch der Gewichtsreduktion oder -kontrolle automatisch zum Scheitern verurteilt. Du hast zwar diese Erfahrung gemacht, aber du hast vielleicht einfach noch nicht das gefunden, was für DICH funktioniert.

 

Weil du dich in anderen Lebensbereichen unzulänglich fühlst und eben keine Alternative hast, die nichts mit Essen zu tun hat und trotzdem Glücksgefühle herbei führt? 

Eine Art Resignation vielleicht, weil es bisher für dich nicht funktioniert hat, intuitiv zu essen? 

Vielleicht schämst du dich deshalb. Du denkst, deiner Körperform liest man deine Inkonsequenz ab. Und du hast Angst vor der Beurteilung von Außen. 

Alle diese Gefühle führen dazu, dass du möglicherweise durch das Essen zu kompensieren versuchst. Nämlich wie gehabt: durch den gespeicherten und verlässlichen Gedankenhafen "Essen macht glücklich, Essen setzt Endorphine frei!" durch den du dich in die Abwärtsspirale begibst, dass die Art und Weise, deinen Mangel auszugleichen den Mangel wiederum bedingt und fördert. 

 

Vielleicht traust du dich auch nicht, deine Scham zu überwinden und danach zu fragen, was du tun könntest. Vielleicht hast du Angst, dich mit den Ursachen deiner "Essgewohnheiten" (um es mal neutral auszudrücken) auseinander zu setzen. Vielleicht weißt du insgeheim, dass es da einen tiefliegenden Grund gibt, weshalb du Probleme hast, intuitiv zu essen ohne "dick" zu werden.

 

 

Solltest du dich hier wiedererkennen, hilft dir vielleicht dass du dir klar machst, dass jederzeit im Leben der Punkt sein kann, an dem du für dich erkennst, dass DU nicht das Opfer, sondern der SCHÖPFER deiner Gedanken bist. 

Konzentrier dich nicht auf die Kompensation des Lebensbereichs, in dem du dich unzulänglich fühlst. Konzentrier dich AUF DIESEN LEBENSBEREICH. Beseitige die Ursache.

Konzentrier dich nicht auf die Angst oder die Scham, sondern auf die Chancen und Perspektiven. Fühl dich rein in die Denkweise des Menschen, der du sein willst. Und dann handle danach. 

 

Hab auch keine Angst davor, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen. Therapeuten müssen auch von etwas leben. Wenn du erkennst, dass die Ursache hinter deinem Glaubenssatz etwas mit Scham oder Angst zu tun hat und du fühlst dich nicht in der Lage, allein zu erkennen WAS genau es ist, dann hol dir Hilfe. Daran ist NICHTS verwerflich. Wir alle streben nach "Verbesserung" und "Optimierung", das steht jedem zu. 

 

07. Krankheiten

Vielleicht liegt bei dir die Ursache in einer Krankheit. Wenn du alles Mögliche probiert hast und ehrlich vieles ausschließen kannst, womit du unbewusst vielleicht dein intuitives Essverhalten torpedierst, dann kommen noch verschiedene Krankheiten, hormonelle Störungen oder andere körperlichen Faktoren in Betracht. Du solltest bei dem Verdacht, das könnte bei dir Ursache für den Glaubenssatz sein auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Lass deinen Hormonstatus bestimmen, dein Cortisollevel, deine Insulinwerte, Schilddrüsenhormone, etc. 

Was ist denn nun dieses intuitive essen?

Die goldene Brücke muss her. Ein Fazit. Eine Lösung. Wie verwandele ich den Glaubenssatz 

"Ich kann nicht alles essen was ich will, ohne zuzunehmen!" 

für mich in eine goldene Brücke?

 

1. Indem ich mir klar mache, dass das teilweise einfach zutreffend ist. Indem ich akzeptiere, dass es den tatsächlichen Bedarf gibt, den ich teils beeinflussen kann, und teils eben nicht. Diesen faktischen Umstand sollte ich WERTFREI für mich annehmen. Das macht mich nicht schlechter oder besser, sondern einfach menschlich. Es sagt nichts über meinen Wert aus. Und es trifft auf JEDEN zu. 

 

2. Indem ich mir klar mache, dass der subjektive Part KOMPLETT in meiner eigenen Macht und auch Verantwortung liegt. Indem ich verstehe, dass ich all zu oft meinen unbewussten Bedürfnissen nachgebe aus Gründen, die eigentlich nichts mit meinem Essverhalten zu tun haben, jedoch damit kompensiert werden. 

 

 

Wenn du beide Punkte kombinierst, also das Wissen um deinen tatsächlichen Bedarf und das Wissen darüber, dass du subjektiven Bedürfnissen unterliegst, dann kannst auch du essen was du willst, ohne zuzunehmen.

 

Wer intuitiv isst, ohne zuzunehmen überschlägt sicherlich bewusst oder unbewusst den Kaloriengehalt seiner Mahlzeiten und seines Tages, indem er achtsam auf sein Sättigungsgefühl hört und ist sicherlich zudem weniger anfällig für emotionales Gefresse weil insgesamt keine Kompensation durch Essen erfolgt und die Intuition nicht durch "artfremde Gedanken" in die Irre geführt wird.

 

Im Prinzip "as easy as that":

Willst du Intuitiv essen? Dann krieg dein Leben in den Griff. 

 

 

Deine neuen Glaubenssätze könnten zum Beispiel sein:

"Ich höre meinem Körper gut zu und gebe ihm das, was er wirklich will/ braucht!"

"Ich verzichte nicht, ich balanciere!"

"Ich bin geliebt, auch ohne super schlank zu sein!"

"Ich genieße, bis ich satt bin."

"Emotionaler Hunger wird mit Emotionen gefüttert, nicht mit Essen!"