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#09 Der Lebens(um)weg zu meiner Diät

ernährungspsychologie für dummies

eigenanamnese als beispiel für gefährliches halbwissen

Welche Fragen du dir stellen solltest um deinen Fokus zu finden!

 Wenn du das hier liest, erkennst du sicherlich in vielen Absätzen sofort die problematischen Punkte und greifst dir an den Kopf: "Wie kann man sich selbst so quälen? Wie kann man so lange brauchen, um so offensichtliche Erkenntnisse zu erlangen?"

Und während ich das aufschreibe und selbst rekapituliere, werde ich teilweise ebenfalls denken "Mein Gott... WARUM?!" Die Antwort ist ganz klar: neue Ansprüche und Vorgehensweisen, die zu Gewohnheiten wurden. Gewohnheiten kann man wieder "optimieren", bis die "optimierte Vorgehensweise" wieder Gewohnheit wird. Und so weiter. Und deshalb habe ich es erstens lange Zeit wirklich und ehrlich nicht als Qual empfunden, weil der Weg dorthin nicht von heute auf morgen, sondern über einen so langen Zeitraum verlief, dass ich das selbst gar nicht gemerkt habe, wie weit ich mittlerweile von meinem Anfangszustand aber auch von meinem eigentlichen Ziel entfernt war. Zweitens habe ich mich in dem weitläufigen Themengebiet irgendwann einfach verlaufen. Und drittens musste ich die Erfahrungen machen, um sie hier teilen zu können... 

 

Ich will dir hier eine Möglichkeit bieten zu lesen und mit zu reflektieren, wie ich schleichend vergessen habe, worum es eigentlich geht, und zwar nicht bezogen auf meine Ernährung, sondern WEGEN meiner Ernährung bezogen auf mein Leben. Ich wünschte, jemand hätte mir damals gesagt: "Hey, kuhl dass du das machen willst, aber schau mal, es gibt echt Dinge, die du vorher wissen oder dich selbst fragen solltest!" Jemand der mir hilft, aus meiner heutigen Sicht "gefährliche Muster" zu erkennnen oder gar nicht erst zu entwickeln. Einfach andere Ansätze und Herangehensweisen, ein Wegweiser zu einer "eigenen Diät". Und ein Frühwarnsystem. 

 

Häufig wurde ich schon gefragt: "Warum weißt du denn so viel über dieses Thema?" Dann denke ich nur "Erstens weiß ich gar nicht so viel und zweitens bin ich quasi das "Versuchssubjekt" meiner eigenen Experimente hinsichtlich der Ernährung. Trial and Error - trifft es auch ganz gut!"

So kann man das was folgt eigentlich ganz gut zusammenfassen. Und aus diesem Grund bilde ich mir ein, dass ich das Beste aus diesen Umwegen machen kann, indem ich sie DIR zugänglich mache und vielleicht dieser Jemand für DICH bin, der mir damals gefehlt hat.

 

Damit es übersichtlich bleibt habe ich die Abschnitte so gut es ging gegliedert und dir jeweils im Fazit zu den Abschnitten zusammengefasst, worauf ich heute achten würde.

01 "inkubation"

Ich fühlte mich schon immer recht wohl  in meinem Körper. Ich war die meiste Zeit meines Lebens "skinnyfat", ohne damals überhaupt die Bedeutung des Wortes zu wissen, mit dem ich mich heute WERTNEUTRAL rückblickend bezeichnen würde. "Skinnyfat" bedeutet im Prinzip schlank, aber nicht muskulös. Was an "Polsterung" da war, war einfach recht weich und bestand aus Fett, was mich insgesamt aber dennoch nicht fett aussehen ließ. Mit 18 war das auch GANZ OBJEKTIV betrachtet ganz ansehnlich und ich fühlte mich sehr wohl. Mit 31 (2018) kann ich FÜR MICH sagen: ich bin froh, den Kraftsport für mich entdeckt zu haben!

 

Zwei Knackpunkte in meinem Leben gab es, die mich in die Thematik reinzogen: 

 

01. Der Work&Travel Aufenthalt 2007 in Australien, nachdem ich zwar noch immer glücklich, aber für meine Verhältnisse sehr SCHWER glücklich heimkehrte. Ich dachte: "Sport macht schlank!" (so die Theorie). Dieses zusätzliche Fett konnte ich aber durch viel Training  nicht loswerden, es sah nur insgesamt "besser" aus, weil formende Muskelmasse darunter lag. Trotzdem verlor ich die Unbeschwertheit in Bezug auf Bewegung aus reiner Freude, statt zu einem gewissen Zweck.

 

02. Die Entscheidung einer Bekannten, nach ehemals  verhältnismäßig üppiger Figur auf die Bühne (Bikini-Klasse) zu gehen, dafür offenbar hart zu trainieren und auf mein Nachfragen hin "verriet", auch ihre Ernährung komplett umgestellt zu haben. Sie sah einfach in meinen Augen IDEAL aus und ich bewunderte die Leistung, die Disziplin und die Hingabe. Der vermeintliche Preis aus meiner damaligen Sicht war viel Verzicht und Willenskraft, aber das traute ich mir zu. Ja, das mag oberflächlich sein, aber für mich hing da empathisch betrachtet ein großer Teil des "Glücklichseins" dran, auch wenn ich das aus ihrer Sicht natürlich nicht beurteilen kann. Dass man also auch oder VOR ALLEM über die Ernährung das eigene Erscheinungsbild steuern kann war mir unterbewusst immer schon  klar, aber WIE GENAU, das wollte ich seitdem ganz bewusst lernen und für mich anwenden. Und da begann auch der Verlust der Unbeschwertheit in Bezug auf Nahrungsaufnahme aus reiner Freude, statt zu einem gewissen Zweck.

 

Tatsächlich war es damals aber nicht  nur die optische Komponente, sondern obendrein noch eine Art "Herausforderung" oder "Hobby" was mir im Leben fehlte. Mir war nach der Ausbildung im Beruf wirklich ein bisschen langweilig und ich war auf der Suche nach etwas, was ich wirklich gut kann. Ich schrieb ja in meiner Vorstellung unter MAEDELKLEIN schon: "Ich kann alles ein bisschen, aber dafür nichts richtig gut!".  Und dass mir dieser Glaubenssatz bei dieser Thematik "zum Verhängnis" werden würde, weil ich nach etwas suchte, das ich RICHTIG GUT kann, wusste ich damals auch noch nicht. Genauso wenig wusste ich, dass das WIE das dann folgte auch nicht optimal für mich war. 

Fazit

01

Definiere bezüglich deiner Ernährung, wie überall im Leben, dein WARUM so detailliert wie möglich und frage dich, was genau du erwartest, wo du hin willst (zu dem WIE kommst du dann später). Willst du auf die Bühne? Mehr Muskelmasse? Einfach ein bisschen abnehmen? SCHREIB ES DIR AUF. Verliere nicht diesen Fokus unterwegs. Und such dir deine eigenen Ziele, statt denen anderer nachzurennen, deren Ziel du nicht mal genau kennst. 

 

02

DEINE Diät ist für DICH, und sonst für niemanden. Frag dich, ob dein Glück davon abhängt, auf eine bestimmte Art und Weise auszusehen, oder ob es noch andere Gründe gibt. Zum Beispiel deinen Körper zu pflegen und fit zu halten, denn letztlich ist es dein Körper, der dir ermöglicht dieses Leben zu ERFAHREN und zu FÜHLEN. Mein dringender Rat ist, dass du bei allem was du vor hast mit deiner Ernährung (und Sport) DIESEN Fokus auf jeden Fall behältst. Unterwegs fühlt es sich manchmal so an, als würde der Körper gegen einen arbeiten, weil er nicht immer das macht oder so reagiert, wie wir es erwarten. Aber du kannst nicht raus aus deiner Haut, also bleib dabei, dass du das FÜR deinen Körper, und nicht GEGEN ihn machst.

02 Erste SChritte: Ernährungsberatung und Trainingsplanerstellung

Um das WIE für mich zu klären ging ich zu dem von der Bekannten empfohlenen Ernährungsberater und erhielt nach Körperfettmessung und Gespräch über meine aktuelle Trainings- und Ernährungssituation (eher "Zustand" damals) und Schilderung meiner schwammigen Zielsetzung einen Ernährungsplan für sechs Tage in der Woche, die Empfehlung oder "Erlaubnis", einen CheatDay einzubauen (Sonntags) und einen Trainingsplan mit drei Kraft- und drei Ausdauereinheiten pro Woche.  So weit so gut. Im Folgenden will ich mich auf die Ernährung beschränken.

 

Der Ernährungsplan war für alle Tage exakt gleich aufgebaut und bestand aus fünf Mahlzeiten. Den Plan kann ich heute noch auswendig... Das ist jetzt gute drei Jahre her.

1. Problem: der Plan ließ lediglich ein bisschen Spielraum in der Auswahl der Obst- oder Gemüsesorten oder dem Geschmack des Proteinriegels/ -shakes. Genuss war da absolut ausgeklammert. Funktionale und zweckdienliche Ernährung ist das Stichwort. Die Gesamtkalorien waren moderat im Defizit angesetzt, was ich damals noch nicht mal verstand. Begriffe wie "Defizit" und "Makros" und "Mikros" waren mir tatsächlich fremd, wobei es mir heute extrem schwer fällt, so viel "Ignoranz" (zwischenzeitliche Sichtweise) oder "Unbeschwertheit" (heutige Sichtweise) bei anderen zu akzeptieren.  Ich kann manchmal nicht glauben, wie wenig manche Menschen sich mit ihrer oder der Ernährung allgemein auseinandersetzen aber mittlerweile wünsche ich mich auch manchmal auf diesen Standpunkt zurück. 

 

Der Plan wurde akribisch befolgt, jedes (2. Problem: JEDES!) Gramm Essen abgewogen und täglich alle Mahlzeiten vorbereitet. Und das funktionierte auch die ersten drei Monate sehr gut, denn ich hatte ja  im Kopf, dass dieser "Zustand" vorübergehend sein würde, und deshalb fiel mir alles gepaart mit meinem Ehrgeiz durch mein Idealbild, wie ich dann aussehen und mich fühlen würde, relativ leicht! Es gab ein Update der Pläne nach drei Monaten. Die Gesamtkalorien wurden dabei beibehalten.

3. Problem: durch den starren Plan landete ich täglich bei der exakt gleichen Menge an Kalorien und Volumen (hinsichtlich der Portionsgrößen). Ich habe weder mehr, noch weniger gegessen als das, was der Plan vorsah. Dadurch habe ich mir ziemlich schnell mein zuvor intuitiv recht "gesundes" Essverhalten durch meinen Ehrgeiz tatsächlich regelrecht abtrainiert oder abgewöhnt.

 

4. Problem: ich hatte damals zu wenig (keine!) Ahnung. Die ersten Monate war ich hochmotiviert und machte an KEINEM Tag einen Kompromiss. Weder hinsichtlich Training, noch weniger hinsichtlich der Ernährung. An den sogenannten "Cheat Days" war ich anfanfgs noch zögerlich, da ich es nicht gewohnt war zu "fressen", in rauen Mengen. Es war ja auch nie "nötig", denn ich hatte vorher nie das Gefühl etwas "ausgleichen" zu müssen. Generell hatte ich zuvor nie ein Gefühl des "Verzichtens". 5. Problem: im weiteren Verlauf fiel es mir zunehmend schwerer, unter der Woche zu verzichten. Das erste Mal im Leben spürte ich wirklich Verlangen nach fettigem, salzigem, "ungesundem" oder "planfremdem" Essen, einem Ausgleich.

6. Porblem: Auch die soziale Komponente, dem Druck von Außen entgegen zu halten, wurde schwerer mit der Zeit, da gesellschaftliche Anlässe nicht oder seltenst auf den sonntäglichen "Cheat Day" fielen, an dem ich vom Plan abweichen "durfte". Aus Unwissenheit habe ich mich aber weiter streng an den Plan gehalten, denn ich hatte keine Ahnung was die Alternative sein könnte. Das Ziel war nicht erreicht - ergo musste ich so weiter machen.

7. Problem: Damals haben sich in meinem Umfeld gefühlt  nur "richtige Bodybuilder" und "Brigitte-Leserinnen" mit Diäten beschäftigt. Die einen zum AUFBAUEN und SHREDDEN, die anderen um das "Muffintop" über dem Hosenbund loszuwerden, nach einer Trennung wieder "an Attraktivität auf dem Markt" zu gewinnen oder bei der Hochzeit "einmal im Leben richtig toll" auszusehen um danach aufgrund des "Brigitte-Rezeptteils" wieder alles zuzulegen und wenig später angesichts der nunmehr "alten" Hochzeitsbilder die nächste "Brigitte" mit der neuen Wunderdiät für das Hochzeitstagsrevival kaufen zu wollen. Allgemein war es aber in meinem Umfeld absolut nicht üblich und schon gar nicht akzeptiert, dass jemand der schlank ist NOCH schlanker oder auf eine Art "anders" schlank werden wollte - ohne erkennbaren Anlass.

 

Diese Ernährungsform wie ich sie praktiziert habe ist grundsätzlich wertfrei betrachtet effizient und effektiv. Sie birgt aber einige Risiken, derer ich mir leider erst bewusst wurde, als ich viel später anfing, mich selbst zu bilden und die Hintergründe zu verstehen. Auf dieses Thema will ich in einem eigenen Blogartikel näher eingehen, damit du dir auch eine Meinung darüber bilden kannst, ob diese Form des Diätens für dich geeignet sein könnte und worauf du dann aber aus meiner Sicht unbedingt achten solltest. Nicht für jeden wären MEINE Probleme zum Problem geworden. Anfangs sah ich alles auch nur als "Herausforderung", später als "Problem". Es ist immer nur eine Frage wie du es nennst, aber wenn sich eine Herausforderung ohne Lösungsperspektive festsetzt, wird sie doch irgendwann meistens zum Problem.

Fazit

 

03

Informiere dich umfassend über verschiedene Diäten, Ernährungsformen und die Person(en) oder das Programm, das du favorisierst. Verstehe, dass JEDE Diät auf dem gleichen Fakt beruht (Kaloriendefizit) und dass einzig die Frage der Ausgestaltung dieses Fakts den Unterschied macht, und dass DIESE AUSGESTALTUNG zu DIR passen muss . Gleiche das mit deinem WARUM ab. Und frage dich, ob diese Form der Diät wirklich zu DIR und deinem ZIEL passt. Nur diese Diät kannst du auf Dauer sinnvoll umsetzen. Eine "Bühnendiät" ist etwas völlig anderes, als eine, um etwas zu erschlanken und dann das Gewicht zu halten. 

 

Mögliche Fragestellungen können sein:

 

1. Bist du ein Genussmensch und brauchst Abwechslung oder bist du pragmatisch und rein zielorientiert?

2. Welche Nahrungsmittel bilden den Hauptbestandteil deiner Ernährung?

3. Worauf kannst oder willst du nicht verzichten? Eher Kohlenhydrate? Eher Fette?

4. Willst du eine vorübergehende oder eine dauerhafte Umstellung?

5. Bist du der "kurz und knackig" oder der "langsam aber stetig" Typ?

6. Bist du häufig gezwungenermaßen  ein "sozialer Esser"? (= AUFGRUND gesellschaftlicher Anlässe?)

7. Isst du freiwilig (und) gezielt gerne in Gesellschaft oder lieber allein? Sowohl als auch? 

8. Bist du bereit und in der Lage, Mealprep zu betreiben oder willst du ein Maximum an Spontanität?

9. Wie viele Mahlzeiten kannst und willst du realistisch und sinnvoll in deinen Tag integrieren?

10. Brauchst du Volumen um dich satt zu fühlen, oder magst du lieber kleine Portionen?

11. Jeden Tag eine Süßigkeit, oder lieber an einem Tag "Fresskalation"? Oder immer Balance?

12. Wie sehen die Möglichkeiten bzgl. der Nahrungsaufnahme an deinem Arbeitsplatz aus?

13. Wie sieht deine Arbeitszeit aus? "Fünf Tage Nine-To-Five" oder eher flexibel?

14. Starrer Plan oder eigene Gestaltungsmöglichkeiten?

15. Nur "umsetzen" oder auch "verstehen"?

 

Die Antworten auf diese Fragen können dir sehr sehr viel über eine geeignete Diätform für dich verraten. Wenn du weitere Hilfestellung brauchst, deine Antworten auf eine oder verschiedene Diätformen zu subsummieren, dann hilft dir vielleicht mein dazu geplanter Blogartikel. Darin will ich versuchen, dir aufgrund deiner Antworten Empfehlungen zu geben, über welche Diät du dich am ehesten zuerst informieren solltest!

 

04

Der mit schwierigste Aspekt deiner Lebensumstellung ist weder der Sport noch die Ernährung an sich, sondern SCHEINBAR dein Umfeld. Denn letztlich "scheitern" viele daran, sich dagegen durchzusetzen. In Wahrheit musst du dich aber nicht gegen dein Umfeld durchsetzen, sondern gegen deinen eigenen inneren Drang, es dir bequem zu machen und deinem Umfeld mehr Macht über DEIN WARUM zu geben als dir selbst. Ob aus einem Zugehörigkeitswunsch oder einem geringen Selbstwertgefühl oder anderen Gründen, die es nicht zulassen, dass du DEINEM WARUM treu bleibst und ins Handeln kommst (oder dein bereits initiiertes Handeln abbrichst!). 

 

Du limitierst dich selbst, weil du dich dazu entscheidest den Weg des geringeren Widerstandes zu gehen, statt das zu tun, was du eigentlich fühlst. Mögliche Glaubenssätze und auch wie du sie für dich anders formulieren kannst, findest du vielleicht im Blogartikel #04. 

Eigene Pläne und Kalorienkontrolle

Mir dämmerte ja langsam, dass dieses Verhalten nicht sehr zielführend ist und ich suchte nach Möglichkeiten, durch mehr Wissen und mehr VERSTAND selbst Mahlzeiten = Kalorien (Mittlerweile sah ich keine Mahlzeiten mehr, sondern Makros, Mikros und Kalorien) zusammenzustellen. Auch weil sich mein Körper nicht mehr so nach meinen Wünschen und Erwartungen veränderte, wie er das anfangs noch tat und weil ich wissen wollte, wieso. Und weil ich das ewig gleiche Essen nicht mehr sehen konnte, mich aber nicht mehr traute, auf mein Gefühl zu hören. 8. Problem: ich hatte Angst wieder alles zuzunehmen, wenn ich einfach wieder intuitiv esse. Dafür hatte ich schon zu viel "investiert".

 

Daher begann ich viel zu lesen, über Kalorien, wo sie herkommen, wie Makronährstoffe kalorisch beurteilt werden und wie die optimale Verteilung bei welcher Ernährungsweise, welcher körperlichen Konstitution und welchem Aktivitätslevel sein sollte. Ich verstand, weshalb das Defizit des Ernährungsberaters so gewählt war und welche Lebensmittel welche Makronährstoffe liefern und bastelte mir daraus eigene Ernährungspläne in einer selbst erstellten Excel-Tabelle (Apps etc waren "damals" noch nicht so populär oder funktional wie heute). Anfangs plante ich noch wöchentlich im voraus, später dann eher FAST schon intuitiv in "Echtzeit" täglich, was dem "Tracken" dann am nächsten kam. Ich brauchte auch eigentlich nicht  mehr tracken, ich wusste beim Anblick des Lebensmittels die Makros, Kalorien und etwaiges Gewicht/ Menge. Auch zum "Tracken" plane ich noch einen eigenen Blogartikel. Generell kannst du dich zu "Kalorien" gerne im Blogartikel #03 belesen.

 

Durch meine Pläne entwickelte ich langsam endlich wieder Spaß an der Ernährung, da ich nun selbst in der Hand hatte, mir täglich das einzubauen, worauf ich Lust hatte. Anfangs waren das weiterhin objektiv sehr "gesunde" Lebensmittel, nach und nach dann aber auch mal Süßigkeiten  oder aus meiner damaligen Sicht "suboptimale" Lebensmittel. Damit relativierte sich der Ausgleichsbedarf an den Wochenenden erheblich. Was ich gewann war also wieder der Zugriff auf die volle Bandbreite der zur Verfügung stehenden Lebensmittel, mehr Zufriedenheit im Alltag, da ich dadurch auch auswärts einschätzen lernte, was ich bestellen kann ohne vorher zu Hause "mein Essen" zu essen und dann später nur "dabei zu sitzen". Hierzu habe ich deshalb die Blogartikel "Speisekartenanalyse" Teil 1 und Teil 2 verfasst, die dir helfen sollen, eine entspanntere Haltung auswärts zu entwickeln, um dich auch während einer Diät nicht sozial zu isolieren.  Aber was ich noch immer nicht wieder hatte war meine Intuition.

9. ProblemIch aß im Alltag, solange noch "Kalorien offen" waren, ich hörte auf, wenn ich an dem Tag bereits alle Kalorien zu mir genommen hatte, die ich rechnerisch benötigte.  (Blogartikel #05 - Intuitives Essverhalten). Und die CheatDays fanden nicht mehr strikt Sonntags, sondern regelmäßig an Tagen meiner Wahl statt, angepasst an soziale Ereignisse, waren aber weiterhin jenseits von Gut und Böse - kalorisch.

Mit dieser Kalorienkontrolle habe ich dann wirklich viele Ernährungsweisen für mich getestet. LowCarb-HightFat; HighCarb-LowFat; LowCarb-LowFat (puh....); Carb Cycling; Felxible Dieting; Keto; Paleo; Clean Eating.

10. Problem: Alle in Kombination mit diesen verfluchten CheatDays (für die ich mir leider auch an gewissen Size-Zero Internetgrößen ein unbeschreiblich schlechtes Beispiel nahm). Warum die so verflucht sind, will ich in einem eigenen Blogartikel beschreiben.  Aber im Grunde vorab der problematische Kern: der Gewöhnungseffekt und die Anpassung  des Körpers an eine immer zuverlässig monotone Kalorienzufuhr. Nach unten, in meinem Fall, was die CheatDays umso "schlimmer" machte, denn je niedriger der Grundverbrauch, umso schneller gerät man an einem solchen CheatDay in den Kalorienüberschuss.  So sparte ich unter der Woche anfangs noch tagtäglich ca. 500 Kalorien ein  (=ca. 3000kcal pro Woche) und aß aber an den Cheatdays sicher um die 5000-6000 Kalorien (und mit Butter, Avocado und fettreichen Lebensmitteln geht das ohne Volumen RuckZuck), also mindestens 3000kcal im Überschuss. Man kann sich nun leicht ausrechnen, dass das wöchentliche Defizit für die Art CheatDay wie ich sie praktizierte ohne die zusätzlichen Sporteinheiten nicht ausgereicht hätte. Zudem kam die Anpassung meines Körpers, die das Defizit noch verkleinerte. Und Stress durch diese Ernährung und sehr viel Sport. Letztendlich nahm ich anfangs ab, durch die Anpassung hielt ich dann zwischenzeitlich mein Gewicht, und weil ich nicht mehr weiter abnahm schraubte ich die Kalorien noch weiter runter und die CheatDays wurden deshalb noch ausufernder. 11. Problem: durch diese Abwärtsspirale nahm ich letztlich irgendwann sogar wieder zu. 

 

Da auch dieses Verhalten offensichtlich noch nicht dem entspricht, was man alltäglich und dauerhaft betreiben möchte, sollte, kann.... sind wir hier noch immer nicht im HEUTE.

 

Fazit

05

Aus heutiger Sicht würde ich so gut wie niemandem zu einer komplett restriktiven Diät (schlimmstenfalls mit zu großem Defizit und exzessiven Sporteinheiten ohne Regenerationsphasen) raten, die einen Tag in der Woche den vorgeplanten Kontrollverlust vorsieht. Und schon gar nicht über einen längeren Zeitraum oder als "Alltags-Diät".

Das Risiko, eine Essstörung zu entwickeln, sog. "Binge Eating", unter dem Deckmantel des "Cheat Day", ist einfach sehr sehr groß. 

HCG-Stoffwechselkur ("Kur")

12. Problem: ich dachte ich habe viel verstanden. Und ich wollte aufgrund meiner aufgebrauchten Geduld einfach nochmal einen "kleinen Impuls" setzen, um dann WIRKLICH am Ziel zu sein und aufzuhören (mit was eigentlich?! Achso, mit der Diät zum Zweck des Gewichtsverlusts). Was war das Ziel doch gleich? Achja. Ein "leaner" Körper mit sichtbaren Bauchmuskeln, oder so ähnlich. Fokus: verloren!

13. Problem: Durch die Kalorienkontrolle hatte ich zwar SELBST die Kontrolle, allerdings auch darüber, immer weniger zu mir zu nehmen als im Monat davor, denn da hatte ich ja wieder das Ziel nicht erreicht (Was rückblickend hauptsächlich an den CheatDays und dem Stress - nicht zuletzt durch zu viel Sport ohne Regeneration lag). Ich war dann irgendwann bei 1200 kcal am Tag. Bei körperlich sehr anspruchsvollem Training, täglich, manchmal mehrfach (oft Krafttraining vormittags und Abends Spinning oder Crossfit, alternativ auch gerne vormittags oder morgens Joggen und Abends Crossfit oder Krafttraining).

 

Offensichtlich hatte ich noch NICHTS praktisch verstanden, denn diese "Stoffwechselkur" ist erstens teuer (wegen all der vorgeschriebenen Globuli-Bullshit-Placebo-Produkte und einiger Supplements, die vielleicht gerade noch so verhindern, dass der Körper vollends streikt) und zweitens für jeden halbwegs informierten Menschen  offensichtlich keine "Kur" sondern der "Ruin". Wer darüber nachdenkt sich das anzutun: BITTE lass es. Das wird dich vorübergehend sicherlich ein paar Kilo verlieren lassen. Allerdings nicht nur Fett, sondern auch Muskelmasse und letztlich eventuell auch Knochenmasse (bei Frauen häufig bedingt durch den Verlust der Periode ) oder dauerhafte Hormonstörungen oder sonstige Defizite.  Diese "Kur" ist hochgradig förderlich für körperliche und psychische Störungen. Wer sich daran monetär bereichert kann einfach kein moralisches Empfinden haben.

 

Ich selbst habe die "Kur" durchgezogen und bin danach 8kg erleichtert bei 54kg Lebendgewicht endgültig entnervt endlich zu dem Schluss gekommen: "Das kann es einfach nicht sein! Ich muss und will und werde endlich meine Balance finden!".  Aber es war schon interessant, was der Körper so alles mitmacht. Danke dafür. Und danke, dass er nicht völlig entnervt war und gesagt hat: "Weißte was... dann such deiner Seele halt ein neues zu Hause!".

Das hätte aber auch anders laufen können, wenn ich zum Beispiel dauerhaft und nicht nur die vorgesehen drei Wochen diese "Ernährung" durchgezogen hätte oder ein anderes Ausgangsgewicht gehabt hätte oder eine nachhaltige Essstörung entwickelt hätte. Für mich war das ein Experiment und ich habe erstens den Ausstieg gefunden und zweitens meine Lehren daraus gezogen. Für andere mag das der letzte Tropfen ins zu volle Fass sein.

Fazit

06

Meine Fehler:

1. Mich darauf verlassen, was für JEMAND ANDEREN funktioniert hat, ohne vorher zu überlegen, ob und wenn ja welche Alternativen es gibt. Es gibt sehr viele Alternativen....

2. Das Ziel nicht ausreichend detailliert formuliert / visualisiert, dadurch kein "Ende" erkannt (höher, schneller, weiter, besser = schlanker, trainierter, ....) und viel zu lange "diätet".

3. Keine Vorstellung meiner Ernährung für "nach der Diät" entwickelt. 

4. Keine Ahnung, was "Diät" eigentlich bedeutet. Mein heutiges Verständnis kannst du hier nachlesen.

5. Die grundlegenden Regeln, auf denen ALLE Diäten  basieren nicht verstanden und auch nicht danach gefragt. (Kannst du hier sehr vereinfacht nachlesen.)

6. Aufgrund der Punkte 1 bis 5 viel zu lange unterkalorisch  (zu wenige Kalorien) und andererseits an den CheatDays viel viel zu überkalorisch gegessen... und nicht verstanden, weshalb ich mich deshalb von meinem ursprünglichen Ziel eher entfernte, als es zu erreichen. Schlussfolgerung: WEITER und STRENGER DIÄTEN. (An dieser Stelle greife ich mir heute nicht mehr an den Kopf, sondern schlage mehrfach fest dagegen....)

7.  Unkontrollierte CheatDays statt achtsamer RefeedDays eingelegt... Dazu kannst du dich bald im geplanten Blogartikel einlesen.

8. HCG-Stoffwechsel"kur" statt WIRKLICHE Stoffwechselkur und Ruhephase für meinen Körper

9. Mein Glücklichsein zu sehr davon abhängig gemacht.

10. Meine Liebe zu vielseitigem Essen, Kreativität  und gesellschaftlichem Ausgehen komplett und dauerhaft unterdrückt, unter anderem auch weil ich mir dieser Bedürfnisse gar nicht bewusst war. 

Was hat Poker mit Diät zu tun? Mein wichtigstes Fazit!

Aus meiner Sicht lässt sich die Ganze Entwicklung ziemlich gut zur Veranschaulichung anhand eines Pokerspiels darstellen:

Zuerst setzte ich mich (bequem) an einen Tisch, der sich gerade in direkter Reichweite befand, ohne mir das Spiel oder die Mitspieler überhaupt angesehen zu haben. Ich erhielt ein vermeintlich gutes Blatt, bestehend aus der ersten Karte: dem Plan des Ratgebers meiner Wahl, und der zweiten Karte: viel eigener Ehrgeiz.

Mein Einsatz war sofort sehr hoch und optimistisch, was grundsätzlich nicht das Problem war.

 

Beim "Flop" (den ersten drei Karten, die für alle gelten) stellte ich aber fest, dass mir überhaupt nicht genügend Informationen vergelegen hatten, um meine zwei Karten gescheit beurteilen zu können.

Der "Flop" bestand aus drei wichtigen Informationen.

Erstens: biochemische Vorgänge und damit der Grund, weshalb JEDE Diät auf dem selben Prinzip beruht (Kaloriendefizit).

Zweitens: die Tatsache, dass ein Kaloriendefizit nicht dauerhaft einfach so im gleichen Umfang funktioniert, sondern die biochemischen Vorgänge individuell reagieren und sich anpassen.

Drittens: schlichtweg die "Spielregeln", nämlich dass ich in der Summe nur mit fünf Karten, und nicht mit meinen zwei Handkarten gewinnen kann und auch nur dann, wenn meine Mitspieler keine besseren Karten haben oder ihre objektiv besseren Karten zu meinen Gunsten schmeißen, weil ich aggressiv genug spiele. 

 

Nach dem "Turn" hatte ich dann langsam verstanden, dass ich weder auf den "Flop", noch auf die folgenden Karten Einfluss nehmen kann. Also reagierte ich damit, meinen Einsatz zu erhöhen, denn darauf hatte ich sehr wohl Einfluss. Einige Mitspieler aka LEBENSUMSTÄNDE warfen die Karten, andere waren allerdings durch meinen hohen Einsatz recht unbeeindruckt geblieben, womit ich nicht gerechnet hatte, weil ich sie zuvor gar nicht bedacht geschweige denn analysiert hatte. 

 

Natürlich hatte ich recht aggressiv gespielt, was mit etwas mehr Hintergrundwissen auch durchaus eine gute Taktik hätte sein können. Damit hatte ich zumindest in gewisser Weise etwas Einfluss auf die Mitspieler, die ich recht gut kannte und einschätzen konnte. Aber die Karten meiner Mitspieler hatte trotzdem jemand anderes verteilt, und zwar verdeckt. Und egal wie gut ich dachte den ein oder anderen Umstand zu kennen. Es gab immer Überraschungen. Jedenfalls war ich damals nicht auf den "Call" einiger Lebensumstände gefasst. Da fragte ich mich erstmals, ob ich überhaupt am richtigen Tisch sitze und ob ich etwas zu hoch gepokert hatte.

 

Der "River" machte mein Bild komplett um beurteilen zu können, dass meine Karten in dieser Runde keine gute Kombination gewesen und meine restlichen Mitspieler echt abgewichste Hunde waren.

Leider war ich dennoch nicht bereit, meine anfänglich für so toll befundenen Karten wegzuwerfen, weil ich dachte, wenn ich das tue, ist das Spiel einfach komplett vorbei. Also versuchte ich es ein letztes Mal mit einem "Raise". Damit bin ich versehentlich All-In gegangen. 

 

Alle Mitspieler stiegen aus. Nur einer blieb. Der Mitspieler war der bisher leiseste und unauffälligste von Allen. Er hieß "Lebensqualität". Den hatte ich während dieser verbissenen Runde überhaupt nicht mehr auf dem Schirm, ohne es zu merken. Und als wir beide die Karten offen legten, erkannte ich, dass es egal gewesen wäre, mit welchen Karten ich spiele. Denn die Lebensqualität hatte zwei Joker auf der Hand. 

 

Ich hatte also meinen gesamten Einsatz verloren und mir nichts übrig gelassen, um eine zweite Runde zu spielen oder mich neu einzukaufen. Allerdings gehören Joker nicht in ein Pokerblatt. Und als ich mich darüber beschwerte, hat mich die Lebensqualität mal aufgeklärt, dass sie einfach nur das Spiel mitgespielt hatte, zu dem ich mich entschieden hatte. Mit dem Kartenspiel, das ich mitgebracht hatte. Und seitdem versuche ich, mit den Karten nicht mehr zu spielen, sondern sie für mich zu sortieren, ab und an einen Joker zu benutzen und die Lebensqualität nicht als Gegenspieler, sondern als Freund zu betrachten. 

 

Ich denke diese Veranschaulichung sagt zwischen den Zeilen ALLES aus :-)

JEDER IST FÜR SICH SELBST VERANTWORTLICH! Ich für mich, du für dich!

So gern du jetzt vielleicht lesen würdest, dass ich meinen Ernährungsberater oder irgendwelche Vorbilder im Internet oder Anbieter einer HCG-Stoffwechselkur oder Kommentare anderer oder sonstige Dritte für all diese Umwege verantwortlichen mache, damit du das guten Gewissens auch tun kannst.

So einfach ist es nicht. 

 

Wie oft warst du schon resistent gegen Ratschläge anderer? Wie oft hast du andererseits einfach aus Bequemlichkeit auf Andere gehört? Wie oft war das im Nachhinein auch gut so? Wie oft war die eigene Wegfindung zum gleichen Ziel trotz guter Ratschläge wichtiger, als gleich auf diese Ratschläge gehört zu haben? Wie oft haben  nur die Umwege die du gegangen bist dich so werden lassen, wie du jetzt bist?

 

Im Grunde ist das alles sowieso egal, denn was zählt ist nur eins: egal wie du dich entscheidest, egal wie oft du bisher im Leben zu viel oder zu wenig auf andere gehört hast, jede Situation ist individuell und benötigt eine NEUE BEURTEILUNG und EIGENE ENTSCHEIDUNG, und die endgültige Entscheidung triffst immer du selbst. Und ich will dir hier und generell auf meiner Webseite so viele Entscheidungshilfen wie möglich geben.

 

Und aufgrund der dir jetzt vorliegenden Informationen dürfte auch klar sein, weshalb ich DIR mögliche Wege zumindest aufzuzeigen will. Gehen musst du sie dann selbst ;-)

 

Letztes Fazit:

Achtung, altklug und idealistisch!

 

Behalte immer achtsam deine Ziele im Auge und überprüfe, ob du sie erreicht hast.

Betrachte deine Erfolge und sei stolz auf Teilerfolge.

Höre die Meinung derer, die dich lieben. Aber grenze dich wenn nötig auch ausreichend ab, wenn du für dich selbst einen Weg gehen willst, der diesen Menschen nicht passt. Manchmal musst du dich fragen: "Warum sagt der/ die dieses oder jenes?" Jeder hat sein eigenes Gefühlsleben, seine eigene Motivation und stülpt letztlich DAS über DEINE Motivation und Ansprüche. 

Lieb gemeint ist nicht gleich gut gemacht.

Erkläre dich und eröffne Anderen deine Sichtweise, aber rechtfertige dich nicht. Hast du dich erklärt, erwarte nicht, dass man dir zustimmt. Ermutige Andere sich dir zu erklären, aber dränge sie nicht zur Rechtfertigung.

Man kann auch auf unterschiedlichen Wegen in die gleiche Richtung gehen....

 

  

Frag dich immer: "Womit fühle ICH mich wirklich wohl? Was bedeutet für mich Lebensqualität? Wie viel davon gebe ich erstmal her, um sie dann wieder zu finden oder neu zu entdecken?". 

Und bedenke: Gewohnheiten sind mächtig. Ansprüche wachsen proportional zum Erfolg mit. 

Das war jetzt sehr persönlich, umso mehr würde ich mich hier über dein Feedback freuen, ob und wenn ja was du hier für dich mitnimmst :-)